Pelargonien

Weitere, zur Zeit nicht akzeptierte Gattungen.

Knuth; 1912 ( siehe Literaturverzeichnis) nennt noch weitere Gattungen in der Familie Geraniaceae:
Wendtieen und Vivianeen aus dem tropischen Südamerika und Biebersteinieen in Asien.
Die systematische Stellung dieser weiteren kleinen Gattungen innerhalb der Geraniaceae ist nicht restlos geklärt. Wohl aus Verlegenheit stehen sie z.Zt. in eigenen Unterfamilien ( z.B. Biebersteinioideen ect.)
(Quelle Dr. Meve, Uni Bayreuth).


Grundlagenwissen über Pelargonien
Brigitte Stisser


Extra Information: Einführung in die Gattung Pelargonium

Ich denke, es ist mal wichtig, den Unterschied zwischen Geranium und Pelargonium zu klären.Zu diesem Zwecke habe ich mit Genehmigung von Dieter Stegmeier aus seinem Büchlein "Stegmeiers Pelargonienkunde" zwei Zeichnungen abfotografiert, die den Unterschied verdeutlichen.
Geranium hat 5 gleiche Blütenblätter
Pelargonium hat 2 Blütenblätter nach oben und 3 nach unten, außerdem hat Pelargonium noch einen sogenannten Nektarsporn   der bei Geranium nicht vorhanden ist.Auf dessen Bedeutung kommen wir später einmal zu sprechen.
Geranien sind bei uns winterharte Gartenstauden, während Pelargonien, die aus Südafrika kommen bei uns nicht winterhart sind (mit einer Ausnahme: Pelargonium endlicherianum, welches aus der Türkei und dem Vorderen Orient stammt ).
Zwei Zeichnungen:








Es gibt ca. 250-280 Pelargonienarten (diese Ungenauigkeit kommt daher, daß es oft Doppel-und Mehrfachbeschreibungen gab) von denen die meisten aus der Kap -Provinz in SA bis hinauf nach Namibia vorkommen.In Ostasien, Arabien und Vorderasien gibt es nur wenige Arten, in Australien und Neuseeland wachsen dann weitere 8 Arten.
Diese Angaben sagen etwas aus über Pflegeansprüche (SA ist Winterregengebiet, Namibia dagegen Sommerregengebiet ),und sind wichtig für Biogeographen ( was nicht zusammen wächst, kann sich auch nicht miteinander kreuzen).
Die Familie Geraniaceae wird eingeteilt in 5 Gattungen :

Geranium  Erodium  Monsonia  Pelargonium  Sarcocaulon !

Diese fünf Gattungen

Geranium, Erodium, Monsonia, Pelargonium und Sarcocaulon

repräsentieren die zur Zeit geltende Meinung über Zugehörigkeit zur
Familie Geraniaceae, wobei als allerneuestes Sarcocaulon zu Monsonia gestellt wurde.Über dieses Thema wird es einen gesonderten Beitrag geben.
Knuth nennt in seiner 1912 erschienenen Monographie über Geraniaceae




noch Wendtieen und Vivianeen aus dem tropischen Süd-Amerika und Biebersteinieen in Asien.Die systematische Stellung dieser weiteren kleinen Gattungen innerhalb der Geraniaceae ist nicht restlos geklärt.Wohl aus Verlegenheit stehen sie zur Zeit in eigenen Unterfamilien ( z.B. Biebersteinioideen etc., Quelle Dr. Meve).

Früher hat man sich bei den Zugehörigkeiten auf morphologische ( u. a.) Merkmale gestützt. Es war eine " Ähnlichkeits-Forschung ".
Heute bezieht man ( mit EDV gestützte ) Methoden mit ein, die das Fundament für die " natürlichen" Systeme der Taxonomie bilden.
     Das sind z.B. unter anderem Aufnahmen mit dem Rasterelektronenmikroskop ( REM) von Pollen und Sporen und von Zellkern und Chromosomen. Die Fachbegriffe dafür lasse ich mal weg. Außerdem gibt es noch viele andere Merkmale, die zur Taxonomie der Geraniaceae herangezogen werden.
Heute gehören die Geraniaceae zur Klasse der Rosopsida.
Einzelheiten dazu werde ich nicht aufzählen. Es muß ja alles noch verständlich auch für Nichtbotaniker bleiben.
Als Belegbeispiel für die Gattung Geranium habe ich folgendes Bild herausgesucht:
Geranium psilostemon




Für die Gattung Erodium
Erodium absinthoides ( abfotografiertes Dia)




Für die Gattung Monsonia ein abfotografierter,handcolorierter Kupferstich von Sweet , um !820-!825 aus seinem Werk " Geraniaceae"




Für die Gattung Pelargonium eine Anpflanzung verschiedenster Pelargonien-Arten und Sorten in einem Sommer-Pelargonien-Beet des Palmengartens




Für Sarcocaulon, seit neuestem zusammengefaßt mit Monsonia
Sarcocaulon, Artname nicht mehr lesbar:





Von Geranium gibt es ca. 380- 430 Arten
von Erodium  ca. 60-75
von Monsonia ca. 40
von Pelargonium ca. 250-280
von Sarcocaulon gab es 14 Arten , stehen jetzt bei Monsonia.

Um es noch einmal zu betonen
Geranien haben eine radiäre Blüte mit 5 gleichen Blütenblättern und 5 Symmetrieachsen,
während Pelargonien eine zygomorphe (=nur eine Symmetrieachse zeigende) Blüte (und Nektarsporn), 2 Blütenblätter nach oben und 3 nach unten mit nur einer Symmetrieachse haben.    Siehe Abb. oben !!

Ausnahmsweise gibt es aber auch Blüten mit nur 4 (Pelargonium tetragonum) Sepalen und einige mit nur 2 Sepalen (P. asarifolium) und bei einer Art fehlen die Sepalen (Blütenblätter ) ganz ( P. apetalum).

Die größten Petalen finden sich bei P. tetragonum und P. longicaule, die bis zu 4 cm lang sein können, die kleinsten bei P. minimum und bei Peristera-Arten.

Bei den heutigen Balkon- Pelargonien ist durch Umwandlung von Staubgefäßen zu Blütenblättern die Zygomorphie nicht mehr zu erkennen.

Die Bestäubung der Pelargonien erfolgt durch verschiedene Tierarten:

1. Durch Bienen                 (d.h. Melittophylie)
2. Durch Tagfalter              (d.h. Psychophylie)
3. Durch Nachtfalter           (d.h. Sphingophylie )
4. Durch Fliegen                 (d.h. Myophylie )
5. Durch Vögel                   (d.h. Ornithophylie )

Ornithophylie nur bei Pelargonium fulgidum.

Pelargonien haben verschiedenste Strategien zur Bestäubung entwickelt:

          Von der am häufigsten vorkommenden (sog. obligatorischen)
Fremdbestäubung ( verhindert Inzucht ) , bis zur Selbstbestäubung ( was Zeit und Energie spart , z. B. bei Schuttbesiedlern ) und als Sonderform die Selbstbestäubung in der noch geschlossenen Knospe.

Die Evolution hat bei den Pelargonien (u.a.) sehr viele Tricks entwickelt um die Bestäubung der Arten zu sichern.Das ist ein unheimlich spannendes Kapitel, das hier jedoch zu weit führen würde.

Nach meinen Unterlagen werden die Pelargonien zur Zeit in 17 Sektionen unterteilt , die ich beim nächsten Mal  beschreiben werde.  
             

Die Gattung Pelargonium wird nach meinen Unterlagen  (dabei berufe ich mich auf eine Auflistung von Prof. Albers,  
Universität Münster [ 1998 ] ,  einem der führenden Pelargonien- Spezialisten in Deutschland),    in 17 Sektionen eingeteilt.
Anzahl der Arten 246
Sektionen
1.   Campylia   ( 11)
2.   Ciconium   ( 14 incl. Dibrachia )
3.   Cortusina   ( 7 )
4.   Chorisma   ( 5)
5.   Eumorpha  ( 7 )
6.   Glaucophyllum ( 7 )
7.   Hoarea ( 66 einschl. Seymouria )
8.   Isopetalum ( 1 )
9.   Jenkinsonia ( 15 )
10.   Ligularia ( 10 )
11.   Myrrhidium ( 11 )
12.   Otidia ( 8 )
13.   Pelargonium ( 25 )
14.   Peristera ( 29 )
15.   Polyactium ( 13 )
16.   Reniformia ( 13 )
17.   Subsucculentia ( 4 )

Die Zugehörigkeit der Arten zu den einzelnen Sektionen gibt Auskunft über Standort, Herkunft, Pflege und evtl. besondere Eigenheiten dieser Pflanzen.

Brigitte Stisser