Bestäubungsmechanismen bei Pelargonienwildarten

Diesen Beitrag wollte ich eigentlich schon vor langer Zeit schreiben. Da das Thema aber sehr speziell und schwierig ist, habe ich es immer wieder verschoben.
Außerdem kam mir niemand aus dem Forum in den Sinn, den es VIELLEICHT
hätte interessieren können.
Nun, da  jemand Interesse angemeldet hat, möchte ich den Beitrag doch in Angriff nehmen.

Ich richte mich nach einem Beitrag von Dr. Ulrich Meve , Universität Bayreuth.

Einleitung:

Unsere als  „Balkongeranien“ verkauften Pflanzen sind ausnahmslos Hybriden und Zuchtformen aus der Gattung Pelargonium in der Familie Geraniaceae.
Man vermutet, dass NUR 5 Wildarten als Elternteile  aller Züchtungen in Frage
kommen.
Die Hybriden sind zum größten Teil steril, trotz eifrigen Insektenbesuches findet eine Befruchtung eher selten statt.
Man versucht zwar in letzter Zeit attraktive Wildarten züchterisch zu bearbeiten, um sie leichter kultivieren zu können und die Blühwilligkeit zu erhöhen.
( Hier erinnere ich an die Pelargonie „First Yellow“, dazu in einem folgenden Beitrag mehr).
Die Pelargonienblüte ist eine zygomorphe Blüte  - d.h. sie zeigt in der Regel
mit 2 Blütenblättern nach oben und mit 3 nach unten.
Bei den Hybriden ist diese Aussage nicht mehr zu erkennen, bei ihnen wurden Staubgefäße zu Blütenblättern umgewandelt.

Außerdem besitzt die Pelargonienblüte als charakteristisches Merkmal noch einen sogenannten Nektarsporn ( das Hypanthium – auf dessen Bedeutung möchte ich ebenfalls in einem gesonderten Bericht eingehen).

Die Form, Farbe, Anzahl der Blütenblätter ( = Kronblätter)  ist teilweise sehr variabel – es werden pro Blüte auch bei einigen Arten 5, 4, 2 Blütenblätter angetroffen, als Extrem fehlen sie bei einer Art ganz – Pelargonium apetalum.

Die größten Blüten besitzen Pelargonium tetragonum und Pelargonium longicaule, wo die 2 oberen Blütenblätter  bis 4 cm (!!!) lang sein können.

Thema:

Die Bestäubung der Pelargonien erfolgt durch verschiedene Tierarten:
1. Durch Bienen                 (d.h. Melittophylie)
2. Durch Tagfalter              (d.h. Psychophylie)
3. Durch Nachtfalter           (d.h. Sphingophylie )
4. Durch Fliegen                 (d.h. Myophylie )
5. Durch Vögel                   (d.h. Ornithophylie )

Ornithophylie nur bei Pelargonium fulgidum.

Wenn Insekten die Bestäubung übernehmen , findet eine Fremdbestäubung  (sog. Allogamie) stattfindet.
Das heißt Bestäubung mit dem Pollen einer anderen Pflanze.

Die Pflanze muss also dafür  sorgen, dass sie NICHT mit eigenem Pollen bestäubt wird – um Inzucht zu verhindern.
Sie löst das Problem in diesem Fall so, dass Staubgefässe und Narbe zu unterschiedlichen Zeiten heranreifen.
Diese Pelargonienblüten sind  vormännlich  - das heißt die Narbe entfaltet sich erst , wenn der Pollen ausgestreut ist.

Neben dieser zeitlichen Trennung findet auch noch eine räumliche Trennung statt  -  der Griffel mit der noch geschlossenen Narbe wächst  ein ganzes Stück über die Pollensäcke hinaus
und öffnet sich erst, wenn die Distanz zu diesen groß genug ist.
Um diese Distanz noch zu vergrößern  krümmen sich in dieser Blühphase  mitunter auch noch die Staubgefässe.
Zu erwähnen  bei dieser Art der Befruchtung sind auch noch genetisch gesteuerte
Narben /Pollenunverträglichkeiten., die ebenfalls eine Befruchtung verhindern.

Weitere Einzelheiten dieser Mechanismen möchte ich hier nicht erwähnen.
Das ist nur für Spezialisten hochinteressant.

Erwähnen möchte ich nur noch, dass es bei  Pelargonienarten auch die Möglichkeit gibt, sich selbst zu bestäuben. Das nennt man dann „Autogamie“,
( auto = selbst). Die extremste Art der Bestäubung bei Pelargonien-Wildarten ist die Selbstbestäubung in der noch geschlossenen Knospe.

Das ist alles ein sehr umfangreiches Kapitel und kann hier nicht dargestellt werden.

Interessant finde ich noch zu erwähnen, warum es im Laufe der Evolution vermutlich zu dieser extremen Form der Selbstbestäubung gekommen ist.

Die Pflanze ist auf keinen Bestäuber mehr angewiesen, es wird Energie gespart,
weil die Blüten kleiner ( sie braucht keinen Schauapparat) sein können und kein Nektar produziert wird  und außerdem die Vermehrungszeit verkürzt wird.
Das ist besonders für Pflanzen auf Pionierstandorten wichtig.
Dieser Lebenzyklus ähnelt dem unserer  „Unkräuter“.

Hiermit möchte ich diesen umfangreichen Beitrag schließen.
Es wäre zwar noch vieles interessant, aber ich denke eher für  Pelargonienspezialisten.
Wer noch mehr Interesse hat, möge sich bei mir melden.

Mit einigen Bildern möchte ich diesen Beitrag auch optisch untermauern.
Es handelt sich um Aufnahmen von der Öffnung der Blüte bis hin zum reifen Samenstand bei Pelargonium schizopetalum.
Diese Art bildet zuerst die Staubgefäße aus, ehe sich die Narbe entfaltet.
Es ist also eine Pflanze mit vormännlicher Blüte.

Fotos von Brigitte Stisser 2010 und Dieter Stisser im Sommer 2011.

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